In einem Moor nahe der Gemeinde Arisdorf im Kanton Basel-Landschaft sind zwei außergewöhnlich seltene keltische Goldmünzen entdeckt worden. Der Fund stammt aus dem sogenannten Bärenfels-Moor und datiert in die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr., also rund 2.300 Jahre zurück. Nach Angaben der kantonalen Fachstelle Archäologie Baselland zählen die beiden Stücke zu den ältesten bekannten keltischen Goldmünzen der Schweiz und erweitern einen bislang sehr kleinen Fundbestand erheblich.
Gefunden wurden die Münzen nicht bei einer groß angelegten Ausgrabung, sondern im Zuge einer systematischen Begehung durch ehrenamtliche Archäologen. Der Fundort war bereits zuvor aufgefallen. Zwischen 2022 und 2023 kamen im selben Moorgebiet insgesamt 34 keltische Silbermünzen ans Licht. Diese Konzentration veranlasste die freiwilligen Mitarbeiter Wolfgang Niederberger und Daniel Mona, im Frühjahr 2025 gezielt Nachuntersuchungen durchzuführen…mit unerwartetem Erfolg.
Bei den Neufunden handelt es sich um einen Goldstater mit einem Gewicht von 7,8 Gramm sowie um einen Viertelstater von 1,86 Gramm. Beide Münzen haben einen Durchmesser von knapp zwei Zentimetern und orientieren sich ikonografisch klar an griechischen Vorbildern. Auf der Vorderseite ist der Kopf des Gottes Apollon dargestellt, auf der Rückseite ein zweispänniger Wagen. Diese Motive gehen auf Goldstatere zurück, die während der Herrschaft Philipps II. von Makedonien geprägt wurden, des Vaters Alexanders des Großen. Dass keltische Münzmeister griechische Vorlagen übernahmen, ist kein Zufall. Ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. dienten griechische Münzen im west- und mitteleuropäischen Raum zunehmend als Soldzahlungen für keltische Söldner. Im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. begann man schließlich, eigene Goldmünzen nach diesen Mustern zu prägen. Die in Arisdorf gefundenen Stücke gehören genau in diese Übergangsphase.
Gleichzeitig zeigen sie deutlich keltische Eigenheiten. Besonders auffällig ist ein dreifacher Spiralornament unter den Pferden auf der Rückseite des kleineren Viertelstaters. Dieses Motiv, als Triskele oder Triskelion bekannt, ist ein häufiges Symbol der keltischen Kunst und verleiht der Münze eine eindeutig lokale Prägung. Die Kombination aus mediterraner Bildsprache und keltischer Symbolik macht die Stücke kulturhistorisch besonders wertvoll.

Der Fundort selbst liefert einen wichtigen Hinweis auf die Funktion der Münzen. Das Bärenfels-Moor ist von wassergefüllten Senken durchzogen, Landschaftsformen, die in der keltischen Welt als heilig galten. Immer wieder wurden in Mooren, Seen oder Flüssen wertvolle Gegenstände deponiert, offenbar als Opfergaben an göttliche Mächte. Auch die Archäologie Baselland hält es für plausibel, dass die beiden Goldmünzen bewusst niedergelegt wurden.
Dafür spricht auch ihre materielle Qualität. Goldmünzen waren im keltischen Raum kaum Teil des alltäglichen Zahlungsverkehrs. Ihr hoher Wert macht sie wahrscheinlicher zu Prestigeobjekten: Sie könnten als diplomatische Geschenke, politische Gaben, Brautpreise oder kultische Opfer gedient haben. Die gezielte Ablage in einem feuchten, schwer zugänglichen Gelände passt gut zu diesem Deutungsrahmen.
Ab März 2026 sollen die beiden Goldmünzen gemeinsam mit den zuvor entdeckten Silbermünzen aus Arisdorf in einer Sondervitrine in Basel ausgestellt werden. Dort werden sie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, als eindrucksvolle Zeugnisse einer Zeit, in der keltische Gesellschaften eng mit der Mittelmeerwelt verflochten waren und Gold nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch religiösen und symbolischen Wert besaß. Der Fund aus dem Moor von Arisdorf zeigt einmal mehr, dass archäologische Entdeckungen nicht immer spektakuläre Monumente benötigen. Manchmal reichen zwei kleine Münzen im feuchten Boden, um ein neues Kapitel der frühen Geld- und Religionsgeschichte Mitteleuropas aufzuschlagen.

